Arbeitsschutz im Winter: Sehen und gesehen werden in den dunklen Monaten - Expert Management
Beschäftigter in Warnjacke neben einem verschneiten Fahrzeug
HSE & Arbeitsschutz

Arbeitsschutz im Winter: Sehen und gesehen werden in den dunklen Monaten

Veröffentlicht im Blog Lesedauer: ca. 6 Minuten
Mit den dunklen Monaten verändern sich die Gefährdungen im Betrieb: Der Arbeitstag beginnt und endet im Dunkeln, Wege werden glatt, und Kälte und Nässe belasten Beschäftigte auf dem Betriebsgelände, im Lager und auf Baustellen. Arbeitsschutz im Winter heißt deshalb vor allem, früh daran zu denken, dass Beschäftigte bei schlechter Sicht gesehen werden und dass Schutzausrüstung zur Jahreszeit passt.

Was sich im Winter im Betrieb verändert

Viele Gefährdungen sind nicht neu, sie treten im Winter aber häufiger oder in anderer Kombination auf. Ein Blick auf vier Bereiche lohnt sich:

Sicht und Dunkelheit
Wer früh morgens oder abends im Außenbereich arbeitet, wird von Fahrzeugen und Flurförderzeugen leichter übersehen. Beleuchtung und Warnkleidung gewinnen an Bedeutung.
Kälte und Nässe
Auskühlung, nasse Kleidung und klamme Finger beeinträchtigen Konzentration und Griffsicherheit – und damit die Sicherheit bei der Arbeit.
Glätte auf Wegen
Eis, Schnee und Laub erhöhen das Risiko von Rutsch- und Sturzunfällen auf Verkehrswegen, Rampen und Treppen.
Verkehr und Fahrzeuge
Längere Bremswege, beschlagene Scheiben und schlechtere Sicht verändern die Situation für Fahrer und für Personen im Verkehrsbereich.

Sehen und gesehen werden: Warnkleidung und Reflektoren

Wo Beschäftigte im Verkehrsbereich arbeiten – etwa auf Betriebshöfen, an Laderampen oder auf Baustellen –, kann Warnkleidung dazu beitragen, das Risiko zu senken, übersehen zu werden. Welche Warnkleidung nötig ist, legt der Arbeitgeber auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung fest. Maßgeblich für die Ausführung ist die Norm DIN EN ISO 20471; Kleidung, die dazu passt, trägt ein Piktogramm und ist einer von drei Leistungsklassen zugeordnet.

1
Klasse 1
Geringste Anforderungen an die sichtbaren Flächen, etwa bei geringer Gefährdung und langsamem Verkehr.
2
Klasse 2
Mittlere Anforderungen, beispielsweise innerhalb einer vollständig aufgebauten Baustellensicherung.
3
Klasse 3
Höchste Anforderungen an die sichtbaren Flächen, etwa bei erhöhter Gefährdung wie Dunkelheit oder schlechter Sicht.

Die Zuordnung ist als Orientierung gedacht. Die verbindliche Festlegung im Einzelfall erfolgt über die betriebliche Gefährdungsbeurteilung, ergänzend können DGUV-Informationen zur Warnkleidung herangezogen werden (Empfehlung, keine Vorschrift).

Reflexstreifen: Worauf es im Alltag ankommt

  • Warnflächen nicht durch Rucksäcke, Taschen oder darüber getragene Jacken verdecken
  • Auf ausgebleichten Hintergrundstoff und abgeriebene Reflexstreifen achten – beschädigte Kleidung ersetzen
  • Verschmutzte Kleidung reinigen, denn Schmutz kann die Sichtbarkeit verringern
  • Nachträgliche Änderungen oder aufgebrachte Logos vorher mit dem Hersteller klären, damit die Leistungsklasse erhalten bleibt
  • Kleidung muss individuell zur Verfügung stehen und gut passen

Kälte- und Wetterschutz: Schichten statt dicker Jacke

Wer im Freien arbeitet, braucht Schutz vor Kälte, Wind und Nässe – ohne dass dabei die Warnflächen verdeckt werden. Bewährt hat sich das Zwiebelprinzip: mehrere dünnere Schichten, die sich je nach Tätigkeit anpassen lassen.

Innen
Wärmende Unterschicht, die Feuchtigkeit vom Körper wegtransportiert, beispielsweise aus Wolle oder funktionalen Fasern.
Mitte
Isolierende Zwischenschicht, die sich bei Bewegung an- und ausziehen lässt.
Außen
Wind- und Nässeschutz, sichtbar getragen, sodass Warnflächen frei bleiben. Kleidung mit Regenschutz kann nach DIN EN 343 ausgeführt sein.

Bei Innenräumen gibt die Technische Regel ASR A3.5 Orientierungswerte für Mindest-Lufttemperaturen vor, abhängig von der Schwere der Arbeit: bei leichter sitzender Tätigkeit etwa 20 °C, bei mittelschwerer Tätigkeit etwa 17 °C, bei schwerer Arbeit können 12 °C ausreichen. Auf Arbeitsplätzen im Freien kommen Schutz durch Unterstände oder geeignete persönliche Schutzausrüstung in Betracht. Diese Werte sind Orientierungswerte; welche Maßnahmen im Einzelfall nötig sind, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.

Glatte Wege und schlechte Beleuchtung

Rutsch- und Sturzunfälle gehören im Winter zu den häufigeren Unfallursachen. Verkehrswege, Treppen, Rampen und Parkflächen sollten deshalb in die winterliche Gefährdungsbeurteilung einbezogen werden. Typische Fragen sind: Wer ist für den Winterdienst zuständig und wann wird gestreut? Sind Wege ausreichend beleuchtet? Sind Ladezonen und Fahrwege im Außenbereich auch bei Dunkelheit erkennbar? Trägt das Schuhwerk der Beschäftigten ein rutschhemmendes Profil?

Pflicht und Empfehlung auseinanderhalten

Die Pflicht, Gefährdungen zu beurteilen und Maßnahmen abzuleiten, ergibt sich aus dem Arbeitsschutzgesetz. Technische Regeln (ASR) konkretisieren die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung. Normen wie die DIN EN ISO 20471 und DGUV-Informationen geben Orientierung für die Ausführung, sind aber für sich genommen keine gesetzlichen Vorschriften.

Der Überblick im Winter-Check

ThemaGrundlageCharakter
Gefährdungsbeurteilung (jahreszeitliche Anpassung)§ 5 ArbSchGPflicht
Unterweisung der Beschäftigten§ 12 ArbSchGPflicht; Zeitpunkt und Anlass je nach Gefährdung
Auswahl der WarnkleidungGefährdungsbeurteilung, DIN EN ISO 20471, DGUV Information 212-016Festlegung durch Arbeitgeber; Norm und Information als Orientierung
Mindest-Lufttemperaturen in ArbeitsräumenArbStättV, ASR A3.5Technische Regel; Werte als Orientierung
Winterdienst und BeleuchtungArbStättV und zugehörige ASRPflicht; Umsetzung je nach Standort

Wie wir Sie dabei unterstützen können

Die dunklen Monate sind ein guter Anlass, bestehende Gefährdungsbeurteilungen auf die Jahreszeit hin zu prüfen und Unterweisungen aufzufrischen. Wir unterstützen Unternehmen im HSE-Bereich dabei, saisonale Gefährdungen strukturiert zu bewerten, passende Maßnahmen zu planen und diese verständlich an Beschäftigte zu vermitteln. Einen Überblick über unser HSE-Management-Angebot finden Sie auf unserer Website.

Gut sichtbar und geschützt durch die dunkle Jahreszeit

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