Zeitplan im Überblick
Die Revision durchlief den üblichen mehrstufigen ISO-Normungsprozess von Committee Draft über Draft International Standard bis zum Final Draft International Standard, der im August 2026 mit breiter internationaler Zustimmung angenommen wurde.
2015
Bisher gültige Fassung ISO 9001:2015 wird durch die neue Ausgabe abgelöst.
16. September 2026
Offizielle Veröffentlichung der ISO 9001:2026 (6. Ausgabe) durch die ISO.
Voraussichtlich ab sofort
Neue Erstzertifizierungen können bereits nach der neuen Ausgabe erfolgen.
Übergangsfrist
Für bereits zertifizierte Unternehmen wird nach aktuellem Stand eine mehrjährige Übergangsfrist erwartet. Die genaue Frist legt die jeweilige Zertifizierungsstelle im Rahmen ihres Akkreditierungsschemas fest – pauschale Zeitangaben ersetzen nicht die individuelle Mitteilung Ihrer Zertifizierungsstelle.
Die wichtigsten inhaltlichen Neuerungen
Inhaltlich handelt es sich um eine gezielte Überarbeitung, keine Grundsatzrevision. Die folgenden Punkte fassen die zentralen Änderungen zusammen:
Angleichung an die Harmonized Structure
Was sich ändert
Die Norm folgt künftig derselben harmonisierten Grundstruktur wie z. B. ISO 14001 oder ISO 27001.
Was das für Sie bedeuten kann
Betreiben Sie bereits mehrere Managementsysteme, kann sich die gemeinsame Dokumentation und Auditierung vereinfachen. Bei einem alleinigen QMS ändert sich vor allem der Kapitelaufbau – Inhalte müssen ggf. neu zugeordnet werden.
Qualitätskultur und ethisches Verhalten
Was sich ändert
Neu in Kapitel 5.1.1: Die oberste Leitung soll eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten aktiv fördern. Kapitel 7.3 ergänzt, dass sich Mitarbeitende und weitere relevante Personen dessen bewusst sein sollen.
Was das für Sie bedeuten kann
Rein dokumentierte Prozesse dürften künftig nicht mehr ausreichen – Auditorinnen und Auditoren könnten stärker danach fragen, wie Qualität und Ethik im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt werden. Das kann zusätzliche Kommunikations- oder Schulungsmaßnahmen sinnvoll machen.
Klimawandel und Nachhaltigkeit
Was sich ändert
Klima- und Umweltaspekte werden stärker in die Qualitätsplanung eingebunden. Die Regelung knüpft an das bereits 2024 veröffentlichte Climate-Amendment zur ISO 9001:2015 an.
Was das für Sie bedeuten kann
Wer das Climate-Amendment bereits umgesetzt hat, ist einen wichtigen Schritt weiter. Andernfalls kann es sinnvoll sein, Klimarisiken – etwa für Lieferketten oder Standorte – künftig systematisch in die eigene Risikobeurteilung aufzunehmen.
Risiken und Chancen getrennt betrachtet
Was sich ändert
Abschnitt 6.1 wird in eigenständige Unterabschnitte für Risiken und für Chancen aufgeteilt.
Was das für Sie bedeuten kann
Wird das Thema Chancen im bestehenden QMS bislang eher am Rande behandelt, kann eine eigenständige, dokumentierte Betrachtung erforderlich werden – etwa in Form eigener Verantwortlichkeiten oder einer separaten Bewertungsmethode.
Erweiterte Kundenkommunikation
Was sich ändert
Abschnitt 8.2.1 erwartet künftig, dass Notfallmaßnahmen nicht nur definiert, sondern auch aktiv an Kundinnen und Kunden kommuniziert werden – aus reaktiver Planung wird proaktive Information.
Was das für Sie bedeuten kann
Es kann sich lohnen, zu prüfen, ob Ihre bestehenden Notfall- und Eskalationsprozesse bereits eine aktive Kundeninformation vorsehen oder ob dafür neue Abläufe oder Vorlagen nötig sind.
Überarbeiteter Anhang A
Was sich ändert
Der informative (nicht normative) Anhang A wurde grundlegend überarbeitet, um Begriffe zu präzisieren und die Anforderungen der Norm verständlicher zu erläutern.
Was das für Sie bedeuten kann
Der Anhang begründet selbst keine neuen Pflichten, kann aber bei der Auslegung einzelner Anforderungen helfen – etwa wenn im nächsten Audit Rückfragen zur Interpretation einzelner Klauseln aufkommen.
Ist die Umstellung Pflicht?
Eine ISO-9001-Zertifizierung ist grundsätzlich freiwillig – die Norm selbst begründet keine gesetzliche Pflicht. Verbindlich wird sie dort, wo Kundinnen, Kunden, Auftraggeber oder Ausschreibungen sie vertraglich voraussetzen. Für Unternehmen, die bereits nach ISO 9001:2015 zertifiziert sind, ist die Umstellung auf die neue Ausgabe innerhalb der von der Zertifizierungsstelle vorgegebenen Frist Voraussetzung dafür, das Zertifikat zu behalten.
Feste Fristen erst nach Rücksprache mit der Zertifizierungsstelle planen
Angaben zu einer mehrjährigen Übergangsfrist, wie sie derzeit kursieren, sind Orientierungswerte auf Basis des aktuellen Stands. Die verbindliche Frist für Ihr Unternehmen legt Ihre Zertifizierungsstelle im jeweiligen Akkreditierungsschema fest. Wir empfehlen, diese Frist frühzeitig aktiv zu erfragen, statt sich allein auf pauschale Zeitangaben zu verlassen.
Was jetzt sinnvoll ist
Aus den oben genannten Punkten lässt sich für die meisten Unternehmen ein ähnlicher erster Schritt ableiten: eine strukturierte Gap-Analyse, die zeigt, welche der neuen Anforderungen im eigenen QMS bereits abgedeckt sind und wo tatsächlich Anpassungsbedarf besteht – statt pauschal von einem kompletten QMS-Neustart auszugehen, der laut ISO ausdrücklich nicht vorgesehen ist. Parallel dazu lohnt sich frühzeitiger Kontakt zur eigenen Zertifizierungsstelle, um die für Ihr Unternehmen geltende Übergangsfrist verbindlich zu klären.
Wie wir Sie dabei unterstützen können
Wir begleiten Unternehmen bei der Einschätzung, Priorisierung und Umsetzung der neuen Anforderungen – von der Gap-Analyse über die Anpassung der QMS-Dokumentation bis zur Vorbereitung auf das nächste Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit. Unser ISO-Revisionspaket bündelt diese Leistungen für Unternehmen, die ihr Qualitätsmanagementsystem strukturiert auf die ISO 9001:2026 vorbereiten möchten. Details zum Leistungsumfang finden Sie unter expert-management.de/iso-revisionspaket.
ISO 9001:2026 – wie betrifft die Revision Ihr Unternehmen?
In einem ersten Gespräch ordnen wir gemeinsam ein, welche Neuerungen für Ihr Qualitätsmanagementsystem relevant sind und wie ein sinnvoller Fahrplan für die Umstellung aussehen kann.