Beschäftigte mit Warnwesten und Schutzhelmen im Betrieb
Arbeitsschutz

Arbeitsschutzgesetze: Welche gibt es und wer legt sie fest?

Veröffentlicht im Blog Lesedauer: ca. 7 Minuten Stand: Oktober 2026
Das deutsche Arbeitsschutzrecht besteht aus mehreren Ebenen. Verbindlich sind Gesetze wie das Arbeitsschutzgesetz, Verordnungen wie die Arbeitsstättenverordnung und die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften. Technische Regeln konkretisieren diese Vorgaben, DGUV Regeln und Informationen sind Empfehlungen für die Praxis. Welche Vorgaben für Ihren Betrieb gelten, hängt von Branche und Tätigkeiten ab – und wird über die Gefährdungsbeurteilung konkret.

Wie ist das Arbeitsschutzrecht aufgebaut?

Der Arbeitsschutz in Deutschland ruht auf zwei Säulen, dem sogenannten dualen Arbeitsschutzsystem. Die eine Säule ist das staatliche Recht: Gesetze, Verordnungen und die Technischen Regeln dazu. Die andere Säule ist das Recht der gesetzlichen Unfallversicherung, also der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, mit den DGUV Vorschriften und dem DGUV Regelwerk.

Über beiden Säulen steht das europäische Recht. Die EU-Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie 89/391/EWG legt Mindeststandards fest, die Deutschland vor allem mit dem Arbeitsschutzgesetz umgesetzt hat.

EU-Recht
Rahmenrichtlinie 89/391/EWG, Einzelrichtlinien, EU-VerordnungenRichtlinien setzt Deutschland in eigenes Recht um, EU-Verordnungen gelten unmittelbar.
Gesetze
Verbindlichz. B. ArbSchG, ASiG, SGB VII, ArbZG, MuSchG, JArbSchGGrundpflichten von Arbeitgebern und Beschäftigten.
Verordnungen
Verbindlichz. B. ArbStättV, BetrSichV, GefStoffV, ArbMedVV, BaustellVKonkretisieren die Gesetze für bestimmte Bereiche.
Technische Regeln
VermutungswirkungASR, TRBS, TRGS, TRBA, AMRZeigen, wie die Verordnungen in der Praxis erfüllt werden können.
DGUV Vorschriften
Verbindlichz. B. DGUV Vorschrift 1 und 2Unfallverhütungsvorschriften der Unfallversicherungsträger, verbindlich für Mitgliedsunternehmen.
DGUV Regelwerk
EmpfehlungDGUV Regeln, DGUV Informationen, DGUV GrundsätzeHilfen für die Praxis, selbst keine Rechtsvorschrift.

Aufbau des Arbeitsschutzrechts: staatliches Recht und Recht der Unfallversicherung unter dem EU-Recht.

Die wichtigsten Arbeitsschutzgesetze

GesetzWorum es geht
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)Grundpflichten des Arbeitgebers, u. a. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung und Erste Hilfe
Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)Bestellung von Fachkräften für Arbeitssicherheit und Betriebsärzten
Sozialgesetzbuch VII (SGB VII)Gesetzliche Unfallversicherung, Präventionsauftrag der Berufsgenossenschaften, Sicherheitsbeauftragte
Arbeitszeitgesetz (ArbZG)Höchstarbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten
Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)Besondere Schutzvorschriften für Beschäftigte unter 18 Jahren
Mutterschutzgesetz (MuSchG)Schutz schwangerer und stillender Frauen am Arbeitsplatz
Produktsicherheitsgesetz (ProdSG)Sicherheit von Produkten, die auf den Markt gebracht werden, z. B. Maschinen
Chemikaliengesetz (ChemG)Grundlage für den Umgang mit gefährlichen Stoffen und für die Gefahrstoffverordnung

Die wichtigsten Verordnungen

Verordnungen konkretisieren die Gesetze für bestimmte Bereiche. Für Arbeitgeber sind sie genauso verbindlich wie die Gesetze selbst.

VerordnungWorum es geht
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)Gestaltung von Arbeitsstätten, auch Bildschirmarbeitsplätze, Beleuchtung, Raumtemperatur und Fluchtwege
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)Sichere Verwendung von Arbeitsmitteln und Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, Schutzmaßnahmen, Betriebsanweisungen – aktuelle Änderungen
Biostoffverordnung (BioStoffV)Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen, z. B. in Pflege und Labor
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge
Lärm- und Vibrations-ArbeitsschutzverordnungSchutz vor Lärm und Vibrationen
PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)Bereitstellung und Benutzung persönlicher Schutzausrüstung
Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV)Manuelles Heben und Tragen von Lasten
Baustellenverordnung (BaustellV)Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen, u. a. die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination

Für Hersteller von Maschinen ist außerdem die neue EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 wichtig. Sie gilt ab dem 20. Januar 2027.

Technische Regeln: Wie werden die Verordnungen umgesetzt?

Technische Regeln beschreiben, wie die Anforderungen der Verordnungen in der Praxis erfüllt werden können. Sie werden von Ausschüssen beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) erarbeitet und vom BMAS bekannt gemacht. Die wichtigsten Reihen sind:

  • ASR – Technische Regeln für Arbeitsstätten (zur ArbStättV)
  • TRBS – Technische Regeln für Betriebssicherheit (zur BetrSichV)
  • TRGS – Technische Regeln für Gefahrstoffe (zur GefStoffV)
  • TRBA – Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (zur BioStoffV)
  • AMR – Arbeitsmedizinische Regeln (zur ArbMedVV)
Vermutungswirkung: kein Gesetz, aber ein sicherer Weg

Technische Regeln sind kein Gesetz. Wer sie einhält, kann aber davon ausgehen, dass die Anforderungen der jeweiligen Verordnung erfüllt sind – so steht es zum Beispiel in § 3a Abs. 1 ArbStättV für die ASR. Wer davon abweicht, muss die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz auf anderem Weg erreichen.

DGUV Vorschriften und DGUV Regelwerk

Die Unfallversicherungsträger erlassen eigene Unfallverhütungsvorschriften, die DGUV Vorschriften. Sie sind für die Mitgliedsunternehmen verbindlich. Zwei gelten für nahezu jeden Betrieb:

  • DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ – allgemeine Pflichten von Unternehmern und Versicherten, u. a. zu Unterweisung und Erster Hilfe
  • DGUV Vorschrift 2 „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ – wie die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung nach dem ASiG organisiert wird

Dazu kommt das DGUV Regelwerk aus DGUV Regeln, DGUV Informationen und DGUV Grundsätzen. Diese Schriften sind Empfehlungen und Hilfen für die Praxis. Sie zeigen, wie Sie die verbindlichen Vorgaben umsetzen können, sind aber selbst keine Rechtsvorschrift. Fristen oder Intervalle, die dort genannt werden, sind Richtwerte. Verbindlich festgelegt werden sie in Ihrem Betrieb über die Gefährdungsbeurteilung.

Wer legt die Gesetze zum Arbeitsschutz fest?

EbeneWer erlässt sie?Charakter
EU-Richtlinien und EU-VerordnungenEuropäisches Parlament und Rat der EURichtlinien: Umsetzung durch die Mitgliedstaaten; EU-Verordnungen gelten unmittelbar
Gesetze (z. B. ArbSchG, ASiG)Bundestag, unter Beteiligung des BundesratesVerbindlich
Verordnungen (z. B. ArbStättV, GefStoffV)Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates, z. B. auf Grundlage von § 18 ArbSchGVerbindlich
Technische Regeln (ASR, TRBS, TRGS …)Ausschüsse beim BMAS, bekannt gemacht vom BMASVermutungswirkung
DGUV VorschriftenUnfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaften, Unfallkassen), staatlich genehmigtVerbindlich für Mitgliedsunternehmen
DGUV Regeln, Informationen, GrundsätzeDGUV und UnfallversicherungsträgerEmpfehlung

Ob die Vorgaben eingehalten werden, überwachen zwei Stellen: die staatlichen Arbeitsschutzbehörden der Länder (in Sachsen die Landesdirektion Sachsen) und die Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Die wichtigsten Grundpflichten für Arbeitgeber

  1. Gefährdungsbeurteilung erstellen und dokumentieren (§§ 5 und 6 ArbSchG) – der Ausgangspunkt für alle weiteren Maßnahmen. Mehr zur Gefährdungsbeurteilung
  2. Beschäftigte unterweisen (§ 12 ArbSchG, § 4 DGUV Vorschrift 1)
  3. Erste Hilfe und Notfallmaßnahmen organisieren (§ 10 ArbSchG)
  4. Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt bestellen (ASiG, DGUV Vorschrift 2) – externe Fachkraft für Arbeitssicherheit
  5. Arbeitsmedizinische Vorsorge veranlassen oder anbieten, wo die ArbMedVV es vorsieht

Welche Verordnungen und Regeln darüber hinaus für Sie gelten, hängt von Ihren Tätigkeiten ab: Ein Bürobetrieb hat andere Schwerpunkte als ein Betrieb mit Gefahrstoffen, Maschinen oder Baustellen. Die Gefährdungsbeurteilung hilft Ihnen, diese Vorgaben für Ihren Betrieb zu ermitteln.

Häufige Fragen

Welche Arbeitsschutzgesetze gibt es?

Die zentralen Gesetze sind das Arbeitsschutzgesetz, das Arbeitssicherheitsgesetz und das Sozialgesetzbuch VII. Dazu kommen Gesetze für bestimmte Gruppen oder Themen, z. B. das Arbeitszeitgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz und das Mutterschutzgesetz.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gesetz und einer Verordnung?

Ein Gesetz beschließt der Bundestag. Eine Verordnung erlässt die Bundesregierung auf Grundlage eines Gesetzes, beim Arbeitsschutz meist mit Zustimmung des Bundesrates. Für Arbeitgeber sind beide verbindlich.

Sind DGUV Informationen Pflicht?

Nein. DGUV Informationen und DGUV Regeln sind Empfehlungen. Verbindlich sind die DGUV Vorschriften. Die Empfehlungen zeigen aber, wie die verbindlichen Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden können.

Muss ich die Technischen Regeln einhalten?

Technische Regeln wie die ASR sind kein Gesetz. Wer sie einhält, kann aber davon ausgehen, die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen. Wer abweicht, muss auf anderem Weg einen gleichwertigen Schutz erreichen.

Wer kontrolliert die Einhaltung?

Die staatlichen Arbeitsschutzbehörden der Länder und die Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Welche Vorgaben gelten für Ihren Betrieb?

In einem ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, welche Gesetze, Verordnungen und Regeln für Ihre Tätigkeiten relevant sind und wo Unterstützung sinnvoll sein kann – zum Beispiel durch eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit oder bei der Gefährdungsbeurteilung.

Jetzt Erstgespräch vereinbaren oder anrufen: 0351 89 69 95 60

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: Oktober 2026.